Netzwerk Nanosilber

18.12.2012

Rückblick auf die Konferenz "Nano-regulation and policy"

Am 13. November 2012 veranstaltete der Cluster Nanotechnologie / das Netzwerk NanoSilber in Kooperation mit der Nanotechnology Industries Association (NIA) und der Papiertechnischen Stiftung (PTS) die Konferenz „Nano-regulation and -policy with specific focus on nanosilver“. Internationale Vortragende stellten über 40 Teilnehmern den aktuellen Stand und zukünftige Entwicklungen bei den Nano-Regularien vor.

Dr. Steffi Friedrichs (NIA, im Bild links) und Dr. Anna Sauer (Cluster Nanotechnologie, rechts).

Ein Blick in die Reihen der Konferenzteilnehmer.

Die Konferenz spannte einen weiten Bogen, ausgehend von der Firmensicht auf Nanoregularien, über die Position der EU und den deutschen Diskurs, bis hin zu konkreten Richtlinien und deren Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen.

In ihrem Einführungsvortrag ging Dr. Steffi Friedrichs von der NIA auf die Historie der Nano-Regularien-Diskussion auf EU-Ebene ein. Wichtige Schritte stellten u.a. die Neufassung der EU-Kosmetik-Verordnung (2009) und die Kunststoffrichtlinie (2010) dar. 2011 gab die EU-Kommission eine Empfehlung zur Nanomaterial-Definition heraus, die allgemein zu Grunde gelegt werden soll. Zuletzt veröffentlichte die Kommission im Oktober 2012 das „2nd Regulatory review on Nanomaterials“.

Dr. Anna Sauer vom Cluster Nanotechnologie stellte das vom BMWi-geförderte Netzwerkprojekt NanoSilber vor. Das Netzwerk arbeitet seit Juni 2011 zusammen, um Nanosilber verantwortungsbewusst weiter zu entwickeln. Regularien spielen dabei eine wichtige Rolle, daher war es ein Anliegen des Netzwerkes diese Konferenz durchzuführen.

Für die Partner des Netzwerkes NanoSilber sprach Gregor Schneider von der ras materials GmbH. Er betonte das große Potential von Nanosilber und dass die Industrie verstärkt verpflichtet wird, Daten zur Risikoabschätzung vorzulegen. Um dem Rechnung zu tragen, engagiert sich ras materials in einer Reihe von Forschungsprojekten und liefert z.B. das Nanosilber-Referenzmaterial beim OECD Sponsorship Programm.

Im zweiten Firmenvortrag berichtete Dr. Murray Height von HeiQ materials über die Erfahrungen seines Unternehmens bei der Zulassung ihres Nanosilber-basierten Produkts zur Einbringung in Textilien bei der US amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA).


Über die aktuellen Entwicklungen auf EU-Ebene berichtete Dr. David Carlander von der NIA. Silber wird gerade im europäischen Chemikalienrecht REACH durch die Niederlande und in der Biozid-Verordnung durch Schweden (KEMI) evaluiert. Zudem bewertet der wissenschaftliche Ausschuss für neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken (SCENIHR) zur Zeit Literatur zu Nanosilber, auch besonders in Medizinprodukten. Eine Meinung des Ausschusses wird Anfang 2013 erwartet.

Aus deutscher Perspektive berichtete  Staatsekretär a.D. Wolf-Michael Catenhusen von der Arbeit der Nano-Kommission, deren Vorsitzender er bis 2011 war. Er begrüßte ausdrücklich, dass auf Wissenschafts– und Wirtschaftsseite die Risikobewertung einen größeren Stellenwert erhalten hat.

Dr. Astrid Epp vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erläuterte die kritische Einschätzung des BfR zu Nanosilber in verbrauchernahen Produkten.

Herr Dr. Jung, TÜV Süd Product Service GmbH, konstatierte, dass bei der Zertifizierung von Nanomaterialien in Medizinprodukten viele Unklarheiten bestehen. Klare regulatorische Vorgaben seien in diesem Bereich dringend erforderlich!

Einblicke in die Bewertung von Silber-Substanzen im Rahmen der Biozid Verordnung gab Ulrike Frank von der schwedischen Chemikalienagentur (KEMI). Sie führte in die Neuerungen der Biozid-Verordnung ein, unter anderem in die neuen Definitionen für „Biozidprodukte“ und „behandelte Waren“. Für Firmen wird es wichtig sein, im konkreten Einzelfall zu prüfen, ob man eine „behandelte Ware“ vertreibt, die ab September 2013 gekennzeichnet werden muss.

Dr. Abdelqader Sumrein von der Europäischen Chemikalien Agentur (ECHA) stellte die aktuelle Situation von Nanomaterialien in der REACH-Verordnung vor. Dabei ist zu beachten, dass keine nanospezifischen Informationsanforderungen in REACH bestehen. Die ECHA unterstützt Antragsteller bei der Erstellung ihrer Dossiers u.a. mittels Workshops und Webinaren.

Julian Schenten, Hochschule Darmstadt, gab Einblicke in seine Arbeiten zu den Auswirkungen der REACH-Verordnung auf  Unternehmen. Es zeigte sich, dass das aktuelle REACH-Regelwerk Nano-Innovationen eher behindert. Durch eindeutige, unmissverständliche und bindende Regularien könnte Situation deutlich verbessert werden.

Wir bedanken und bei unseren Kooperationspartnern, den Referenten und den Teilnehmern für die spannende Konferenz.