Netzwerk Nanosilber

15.02.2012

Konferenz Nanosilber des BfR

Ziel der Tagung: Darstellung des wissenschaftlichen Standes und möglicher Risiken von Nanosilber

Zusammenfassung von A. Sauer

 

Am 8. und 9. Februar 2012 fand am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin eine Fachkonferenz zum Thema Nanosilber statt. Die Konferenz war in 5 Themenblöcke gegliedert. Die Ergebnisse dieser Themenblöcke werden im Folgenden kurz zusammengefasst.

 

I.) Identity and Analytics of Nanosilver Materials

Die Analytik von Nanosilber Materialien ist sehr komplex. Eine Vielzahl an Faktoren kompliziert die Analytik, wie zum Beispiel Größe, Form, Reaktionsmischung, Auflösungsgeschwindigkeit, Alterungseffekte, Aggregation/Agglomeration, Vorliegen von ionischem Silber etc.

 

II.) Human Exposure to silver and nanosilver

Ein Fazit der zweiten Session ist, dass in vielen der bisher untersuchten Gebrauchsgegenständen (Brotzeitbox, Schuhspray, Deodorant, Oberflächenbeschichtungen), die laut Herstellerangaben Nanosilber enthalten sollen, keine Nanosilberfreisetzung bei Gebrauch nachgewiesen werden konnte. Es bleibt zu klären an welcher Stelle das Nanosilber durch Aggregation/Agglomeration oder Auflösung "verloren geht".

 

III.) Toxicological Aspects

Prof. Dr. de Jong vom RIVM in den Niederlanden präsentierte Toxikokinetik-Daten aus Tierversuchen, die zeigten, dass bei intravenöser Gabe von 34-38µg/mL Nanosilber (Fa. NanoCompoSix) nach 15min nur noch sehr geringe Nanosilber Konzentrationen im Blut nachgewiesen werden können. Dabei sind Nanopartikel mit 20nm Durchmesser schneller "verschwunden" als größere Nanopartikel. Dies kann entweder durch Ausscheidung oder Auflösung der Partikel erfolgen, Die stärkste Anreicherung an Silber zeigen Leber und Milz. Studien zu systemischer Toxizität (Dosis bis zu 6mg/kg) werden gerade durchgeführt.

Dr. Boudreau vom NCTR der USA präsentiert Daten mit dem OECD Nanosilber-Referenzmaterial. Bei oraler Aufnahme von maximal 10mg/kg findet sich nur eine minimale Adsorption im Körper von Ratten, innerhalb von 48h wird alles über die Fäkalien ausgeschieden. Eine 13-Wochen Studie mit wiederholter Verabreichung (2x am Tag 9-36mg/kg) wird gerade durchgeführt.

Generell kann man aus den Daten schlussfolgern, dass nur geringfügige Nanosilber-vermittelte Toxizität vorhanden ist. Allerdings sollten die Ergebnisse der laufenden Langzeitstudien abgewartet werden um weitere Einblicke zu gewinnen.

 

IV) Microbiological Aspects

Prof. Dr. Höfer von den Hohenstein Instituten zeigt Daten aus einer Studie, bei der Probanden ein 2-geteiltes T-Shirt trugen bei dem eine Seite silber-ausgestattet war und die andere nicht. Die T-Shirts wurden über 6 Wochen am Körper getragen. Das Ergebnis: Antimikrobielle Kleidung zeigt keine nachteiligen Effekte auf die ökologische Balance der Mikroflora gesunder Haut.

Dr. Jakobsen vom Statens Serum Institut in Dänemark erläutert, dass die Anfälligkeit von Bakterienstämmen eine Silberresistenz zu entwickeln gering ist. Allerdings warnt sie davor, dass Silberresistenzen oftmals mit Kreuzresistenzen mit Antibiotika und Co-Resistenzen einhergehen. Dies kann eine große Gefahr in Krankenhäusern darstellen.

Dr. Burkhardt vom UMTEC in der Schweiz beleuchtet Nanosilber und dessen Effekte auf Kläranlagen. In Kläranlagen gelangendes Nanosilber (untersucht in einer bis zu 10x höheren Dosis als momentan verzeichnet) hat keinen Effekt auf den wichtigen Nitrifikationsprozess und reichert sich im Klärschlamm an. Das aus der Kläranlage kommende Wasser weist kein Nanosilber auf, wohingegen Antibiotika schlecht in der Kläranlage zurückgehalten werden können.

 

V) Concepts of Nanosilver Risk Assessment und Regulation

Frau Günther vom BfR wies auf die Änderungen in den Biozidrichtlinien hin, die 2013 in Kraft treten soll. Diese enthalten spezifische Anforderungen für Nanomaterialien und fordern eine separate Risikoeinschätzung sowie eine Kennzeichnung der nanometrischen Komponente auf der Verpackung.

Dr. Zilberszac vom Österreichischem Bundesministerium für Gesundheit stellt die Austrian Nanotechnology-Information Platform (NIP) vor, eine Website die Informationen, wissenschaftliche Neuigkeiten, Studien und Downloads bereitstellen soll. Diese ist ab September 2012 online.

Herr Costanza von der amerikanischen EPA stellt das Zulassungsverfahren von AGS-20 (Fa. HeiQ) vor, das nun als erste Nanosilber-enthaltende Substanz nach FIFRA in den USA zugelassen wurde.

Als Fazit dieser Konferenz zeigt sich, dass die großen Befürchtungen gegenüber Nanosilber nicht bestätigt werden konnten. Es ist allerdings wichtig weiter intensiv an offenen Fragen, wie standardisierter Analytik und toxikologischen Langzeitstudien zu arbeiten.

 

Hier finden Sie zusätzliche Pressestimmen zur Konferenz Nanosilber des BfR von der Stuttgarter Zeitung, vom Tagesspiegel, vom Online-Nachrichten-Portal für Textil und Bekleidung (ftt-online.net) und den Hohenstein Instituten.

 

Die Pressemitteilung des BfR finden Sie hier.